Kliniken 4.0 - passt die Führung noch?

Das Gesundheitswesen ist auf dem Weg zur Klinik 4.0. Nicht zuletzt durch die Maßnahmen aus dem KHZG beschleunigt und intensiviert sich die Digitalisierung in den deutschen Krankenhäusern. Dies geschieht unterschiedlich schnell und mit unternehmensindividuell unterschiedlichen Zielstrukturen. Die Treiber hierbei sind vielfältig, dürften jedoch in nicht unerheblichem Maße aus den monetären Förderzielen resultieren. Und das sowohl in Bezug auf Zielsetzung und auf Umsetzungsgeschwindigkeit. Nicht selten wird auch durch die vorhandene Führungskultur und -struktur dieser Weg nicht unerheblich behindert - Hürden werden aufgebaut oder zumindest bestehende Hindernisse nicht beiseite geräumt. 

Es stellt sich die Frage "Passt die vorhandene Führungskultur noch zur neuen Welt der Klinik 4.0?". Welche Führungsqualitäten braucht eine Klinik auf ihrem Weg in die Zukunft? Was ist der Beitrag von Führung 4.0 für das Krankenhaus 4.0? 

Der Nutzen der Entwicklung in Richtung Klinik 4.0 ist sicherlich unbestritten.
  • Die Digitalisierung von Prozessen und Automatisierung von Routinearbeiten führt zu Entlastung der Mitarbeiter:innen, erhöhter Fehlersicherheit, verbesserter Mitarbeiter:innenbindung. 
  • Die intensivierte Nutzung von Big Data, KI und Telemedizin bietet verbesserte Diagnostik, schnellere Behandlung und personalisierte, hochverfügbare Medizin und Pflege. 
  • Und nicht zuletzt kann durch die Datenverfügbarkeit unabhängig von Abteilungs-, Unternehmens- oder Sektorengrenzen eine weiter verbesserte Patientenzentrierung, Steuerung und Validierung über den gesamten Behandlungsprozess und kostensenkende und qualitätssteigernde Ressourcenallokation erreicht werden. 
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Aber wie so häufig bei der Entwicklung von Neuem ist auch das Vorhandensein von Hindernissen und die Neuerrichtung von Hürden Bestandteil des Weges. Und genau an diesen Behinderungen des Fortschreitens zeigt sich die Passgenauigkeit der Führung auf die anstehende oder bereits angetretene Reise. 

  • „Alte“ Führungskultur (zentral, hierarchisch, top-down) führt zu langsamen Entscheidungsprozessen, Fehlentscheidungen und letztendlich zu sinkender Arbeitgeberattraktivität. 
  • Misstrauen ggü. Digitalisierung baut und stützt Doppelprozesse, führt zu Stress und  Kompetenzlücken und überträgt die vorhandenen Ängste letztendlich auch auf die Patienten.
  • Verlustängste und Zielkonflikte bei den Führungskräften unterstützt den Aufbau von aktivem / passivem Widerstand gegen die anstehenden Maßnahmen und Entwicklungen. In der Folge muss das Unternehmen steigende Transaktionskosten bewältigen.
  • Die Abbildung alter, analoger Prozesse führt zu Unzufriedenheit, Reibungsverlusten und ebenfalls zu steigenden Transaktionskosten
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Um diese Hürden gar nicht erst entstehen zu lassen - oder sie zumindest beseitigen zu können, dürfte eine Überprüfung und Neuausrichtung der Führung in Kliniken hilfreich sein. Die Beantwortung der folgenden Fragen kann auf dem Weg zu einer passenden Führungsstruktur und Führungskultur helfen. 
  • Fördern die Führungskräfte aktiv Digitalkompetenz - bei sich selber und in den jeweiligen Teams?
  • Ist die Einrichtung einer Fachlaufbahn "Digital Health Experts" geplant oder bereits umgesetzt?
  • Wird im Unternehmen eine positive Fehlerkultur gelebt und gefördert?
  • Findet die Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen die notwendige Unterstützung bei den Führungskräften?
  • Und wird Führung als Dienstleistung verstanden?!

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